{"id":150,"date":"2016-03-01T15:22:34","date_gmt":"2016-03-01T14:22:34","guid":{"rendered":"http:\/\/jenaer-osterkonferenz.de\/?p=150"},"modified":"2018-05-27T14:13:34","modified_gmt":"2018-05-27T12:13:34","slug":"polizeibericht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/jenaer-osterkonferenz.de\/?p=150","title":{"rendered":"Polizeibericht"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><strong>Auszug aus dem Bericht der Politischen Abteilung der Dresdener Polizei an die K\u00f6nigliche Polizeidirektion Dresden<\/strong><br \/>\n<strong> vom 25. August 1917 \u00fcber die Flugblattaktion der Dresdener Arbeiterjugend in der Nacht vom 21.\/22. August 1917, in der zum \u201eDemonstrationsstreik gegen den Krieg\u201c aufgerufen wurde<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u2026 Die hier (d. h. f\u00fcr bereits vorangegangene Protestaktionen \u2013 d. Red.) in Frage kommende sozialistische Jugendorganisation f\u00fcr Dresden und Umgegend umfasste die Jugendlichen der 4., 5. und 8. Reichstagswahlkreise und hat die gr\u00f6\u00dfte Anh\u00e4ngerschaft in Dresden und im Plauenschen Grunde, ohne indes eine feste Vereinigung zu bilden. Sie hat keine Satzungen, keinen st\u00e4ndigen Versammlungsraum und auch keinen eigentlichen Vorsitzenden. Ihre Leitung liegt in den H\u00e4nden der Unabh\u00e4ngigen sozialdemokratischen Partei Gro\u00df-Dresden. Die Vorstandsgesch\u00e4fte besorgt die festgenommene Henker, die ebenfalls festgenommene Griesbach, die Hahn und der mangels Beweise noch auf freiem Fu\u00dfe befindliche Lewinsohn. Die \u201csozialistische Jugendorganisation f\u00fcr Dresden und Umgegend\u201c steht vollst\u00e4ndig auf dem Boden der Beschl\u00fcsse der Ostern 1916 in Jena von der radikalen Sozialdemokratie unter Beteiligung Liebknechts und R\u00fchles abgehaltenen Jugendtagung, in der der Antimilitarismus, die Bek\u00e4mpfung des Krieges mit allen Mitteln und die Ausn\u00fctzung aller Verh\u00e4ltnisse zur schleunigen Herbeif\u00fchrung des Zusammenbruchs der kapitalistischen Klassenherrschaft als wichtigste Aufgaben der proletarischen Jugendbewegung hingestellt wurden und die Verwirrungsphrase von der Landesverteidigungspflicht verworfen wird. Dass diese Leits\u00e4tze bei der radikalen sozialistischen Jugend auf fruchtbaren Boden gefallen sind, zeigte sich bei der Kundgebung am 1. Mai vor der Polizeiwoche in Potschappel, gelegentlich derer aus der Menge der Jugendlichen Rufe \u201eWenn ihr Gestellungsbefehle bekommt, trefft nicht ein\u201c und dergleichen ert\u00f6nten. In der Tat haben auch aus dem Plauenschen Grunde mehrere junge Leute den milit\u00e4rischen Gestellungsbefehlen keine Folge geleistet und einige fr\u00fcher zu den Jugendlichen Geh\u00f6rende sind desertiert.<br \/>\nWie auf vertraulichem Wege bekannt geworden ist, soll die Verteilung der Flugbl\u00e4tter zwar von der sozialistischen Jugend Deutschlands ausgehen, aber von der Unabh\u00e4ngigen sozialdemokratischen Partei Deutschlands &#8211; Ortsgruppe Gro\u00df-Dresden &#8211; deren jetziger Vorsitzender der Landtagsabgeordnete Hermann Flei\u00dfner ist, gest\u00fctzt werden, denn Flei\u00dfner hat in einer vertraulichen Sitzung am 12. August in einer Wirtschaft der inneren Altstadt folgendes mitgeteilt:<br \/>\nVor kurzem habe in Halle eine gemeinsame Konferenz der Unabh\u00e4ngigen sozialdemokratischen Partei und der sozialistischen Jugend Deutschlands getagt und beschlossen, am 15. August 1917 in Deutschland in den GeneraIstreik einzutreten. Daran habe er die Frage gekn\u00fcpft, wie sich Dresden dazu stelle. Man sei f\u00fcr den Generalstreik gewesen, doch der Zeitpunkt sei zu kurzbemessen gewesen, deshalb habe man sich geeinigt, am 2. und 3. September in Dresden f\u00fcr den Demonstrationsstreik zu wirken; bis dahin hoffte man Zeit zur Agitation zu gewinnen und gen\u00fcgend Material, als Flugbl\u00e4tter, heranzuschaffen. Diese Versammlung war von ungef\u00e4hr 30 Personen, darunter auch von einem Redakteur der Leipziger Volkszeitung aus Leipzig besucht (worden). Ferner soll am 19. August 1917 in einem Luftbad in Cotta eine gemeinsame Sitzung der Jugend abgehalten worden sein, an der die inzwischen festgenommene Hella Henker, Erich Lewinsohn, Marie Griesbach, Arbeitersekret\u00e4r Menke, Landtagsabgeordneter Flei\u00dfner, Frau Marie Wackwitz und der Barbier Frenzel beteiligt gewesen sein sollen. Dort soll beschlossen worden sein, zun\u00e4chst am 2. September die Sedanfeier zu st\u00f6ren, und am anderen Tage den Generalstreik durchzuf\u00fchren.<br \/>\nDie mit der Er\u00f6rterung betraut gewesenen Kriminal-Wachtmeister Einert und G\u00f6hne werden zur Sache als Zeugen benannt.<br \/>\nIn der Sache machen sich auch noch gegen andere Personen Er\u00f6rterungen n\u00f6tig, \u00fcber deren Ergebnis nach Abschlu\u00df der Er\u00f6rterungen Anzeige erstattet wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">\ngez. Bernhard Krumbholz,<br \/>\nKriminal-Oberwachtmeister.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auszug aus dem Bericht der Politischen Abteilung der Dresdener Polizei an die K\u00f6nigliche Polizeidirektion Dresden vom 25. August 1917 \u00fcber die Flugblattaktion der Dresdener Arbeiterjugend in der Nacht vom 21.\/22. August 1917, in der zum \u201eDemonstrationsstreik gegen den Krieg\u201c aufgerufen wurde \u2026 Die hier (d. h. f\u00fcr bereits vorangegangene Protestaktionen \u2013 d. 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